Kinder in der digitalen Welt: Chancen und Gefahren

kinder in der digitalen welt: chancen und gefahren Es ist seit einigen Jahren offenbar ein immer mehr verbreitetes Phänomen: der Zugang der Kinder zum Internet und zur digitalen Technologie bereits im frühen Alter.

Eine aktuelle UNICEF-Studie zeigt: Die Jugendlichen im Alter zwischen 15-24 Jahren haben den intensivsten Zugang zum Internet. Einer von drei Internetnutzern weltweit ist ein Kind oder ein Jugendlicher unter 18. Für diese Altersklasse bringt das Internet einen gewissen Nutzen, es birgt aber auch Gefahren. Aber vor allem wirkt sich ein fehlender Internet-Anschluss negativ auf ihre Aussichten aus. Ebenfalls gemäß der UNICEF hätten knapp 29% der Jugendlichen weltweit, etwa 346 Millionen Menschen also, keinen Zugang zum Internet. In Afrika etwa seien circa 60% der jungen Menschen nicht ans Internet angeschlossen, in Europa wären es nur 4%. Also ist der Zugang zum Internet auch zu einem Anhaltspunkt für ein wirtschaftliches und kulturelles Gefälle geworden. Das sei auch hierzulande bemerkbar, sagt Pieter Bult, UNICEF-Vertreter in Rumänien.

 

„In dieser Situation finden sich vor allem Kinder aus abgelegenen Gegenden wieder, oder Kinder, die von Armut, sozialer Ausgrenzung und Notfällen betroffen sind. Auch lässt sich in Rumänien – einem der Länder mit den schnellsten Internetverbindungen – ein extremes Gefälle zwischen den einzelnen Entwicklungsregionen in Sachen Internetzugang feststellen. Auch der Anteil der Personen, die jemals das Internet benutzt haben, schwankt zwischen 87,3% in der Region Bukarest-Ilfov und weniger als 70% in der Region Nordost, einer überwiegend ländlichen Region mit einer viel größeren Armut.“

 

 

Die digitalen Unterschiede wegen des Internetzugangs sind also Grund zur Sorge, neben den bereits intensiv diskutierten Ursachen wie Online-Aggressivität und Internetkriminalität, so Pieter Bult.

 

„Wir sehen vermehrt Fälle von Cyber Bullying (Einschüchterung) und neue Formen von Gewalt, Missbrauch und Kindermissbrauch – etwa Kinderpornographie auf Wunsch des Kunden und Livestreaming mit missbrauchten Kindern. Mit Hilfe anonymer Profile auf den sozialen Netzwerken und der nicht gesicherten Foren, die mit Online-Spielen in Verbindung stehen, können die Täter leichter Kinder ansprechen, die sich der lauernden Gefahren nicht bewusst sind. Und in diesen Fällen sind anfällige Kinder, wie etwa die aus bildungsfernen Familien, größeren Gefahren ausgesetzt.“

 

 

Laut einer Studie der Kinderrechtsorganisation „Save the children“ surfen 78% der Kinder täglich oder fast täglich im Internet. 90% von ihnen benutzen mindestens ein soziales Netzwerk. Immerhin haben nur 17% von ihnen angegeben, sie würden weniger Zeit mit Familie, Freunden und Hausaufgaben verbringen als online. Andererseits erklärten 45% der Kinder und Jugendlichen, sie seien im Internet belästigt worden. Demzufolge ist es wichtig, Kinder vor den Gefahren im Internet zu schützen, eben damit das Internet zu einer Ressource für Bildung und eine ausgeglichene Entwicklung wird.

 

Derweil scheinen sich die Kinder selbst bewusst zu sein, dass das Internet ein zweischneidiges Schwert ist, wie Constantin Eugen Gheorghe, Schüler der sechsten Klasse an der Bukarester Schule Ferdinand I., sagt:

 

„Das Internet ist für mich eine Inspirations- und Informationsquelle. Ich glaube, dass das Internet nützlich sein kann, aber in manchen Fällen kann es gefährlich sein. Zum Beispiel hilft es uns bei den Hausaufgaben und bei der Recherche für Referate und bietet uns zudem einen raschen Zugang zu komplexen Kenntnissen. Gleichzeitig gibt es im Internet Spiele, bei denen wir den Umgang mit Gleichaltrigen pflegen. Andererseits müssen wir sehr vorsichtig sein, wenn wir bestimmte Seiten besuchen, denn es gibt viele Wege, die ins Böse führen. Es ist wichtig, dass Eltern und Lehrer uns das Surfen im Internet nicht verbieten, sondern im Gegenteil, sie sollten uns dabei unterstützen.“

 

 

Eben weil Erwachsene – Eltern und Erzieher zugleich – das Verhalten der Kleinen im Internet besser beobachten und sie auch zu sicheren Seiten und Aktivitäten führen wollen, haben die rumänischen Behörden einen Leitfaden veröffentlicht. Er trägt den Titel „Die ersten sicheren Schritte im digitalen Leben“ und wurde vom Landeszentrum für Zwischenfälle im Bereich Cybersicherheit (CERT.RO) erarbeitet. Die Broschüre enthält Grundwissen und Richtlinien für ein sicheres Surfen im Internet, wie uns Cătălin Aramă, Generaldirektor von CERT.RO mitteilte:

 

„Wir haben die Informationen und Aktivitätsformen für Kinder in drei große Kategorien eingeteilt: Online-Umgang mit anderen, Teilen von Angaben über sich selbst und Zugang zu Inhalten. Der Leitfaden nennt für jede der drei Kategorien eine Reihe von identifizierten Gefahren, empfiehlt Maßnahmen und zieht bestimmte Schlüsse. Sicher, es werden ausgeprägt technische Lösungen geboten. Im Leitfaden gibt es Adressen oder Links zu nützlichen Adressen, wo Erwachsene sich informieren können und ihre ersten Schritte für eine Überwachung der Aktivitäten ihrer Kinder im Internet unternehmen.“

 

 

Indes ist es auch die Empfehlung der UNICEF: Kinder sollten ins Zentrum der Digitalpolitik rücken - sowohl für eine optimale Nutzung des Internets als auch für die Reduzierung der Gefahren.


www.rri.ro
Publicat: 2017-12-20 17:30:00
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