Pfleger im Einsatz beim Auftraggeber: Arbeit der Hausangestellten unzureichend reguliert

pfleger im einsatz beim auftraggeber: arbeit der hausangestellten unzureichend reguliert Die Arbeit der Hausangestellten ist in Rumänien und vielen andere europäischen Staaten nur wenig geregelt.

Die Altenpflege zu Hause ist genauso wichtig und anstrengend wie die Pflege der Kleinkinder. Und, wie auch im Falle der Kinder, ist die Auswahl der Person, wenn die Familie nicht selbst pflegen kann, von größter Bedeutung. Andererseits sind für die Pfleger die Arbeitsbedingungen sehr wichtig. Es ist ein Beruf, der von der Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) definiert und beschrieben wird. Die Norm versucht diesen Personen Schutz und das Recht auf eine menschenwürdige Arbeit zu sichern. Um zu erfahren, wie der Tag einer Pflegerin verläuft, die zu Hause beim Auftraggeber arbeitet, haben wir mit  Anişoara diskutiert. Sie hat eine 18-jährige Erfahrung als Pflegerin. Zurzeit pflegt sie täglich drei alte Personen. Sie besucht diese zu Hause und verbringt mit ihnen ein paar Stunden täglich.

 

„Ich helfe ihnen, die Medikamente einzunehmen, kaufe für sie ein, gehe mit ihnen zum Arzt, wasche sie, koche und putze.“

 

 

Trotz der Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisation ist Anişoaras Beruf nicht in allen europäischen Staaten gesetzlich geregelt. Und auch da, wo manche Bereiche vom Gesetz abgedeckt sind, werden die Regelungen manchmal nicht befolgt. Anişoara erklärt:

 

„Ich habe für eine Firma gearbeitet, die mit dem Rathaus einen Vertrag unterzeichnet hatte. Da war ich angemeldet, aber das Rathaus hatte keine Fonds mehr, um die Pfleger dieser Firma zu bezahlen. Ich wurde arbeitslos und heute arbeite ich privat. Und die alten Menschen, die es sich nicht leisten können, zu bezahlen, sind hilflos geblieben.“

 

 

Diese Geschichte bringt die Verletzbarkeit sowohl der Hausangestellten, als auch der zu Hause gepflegten Personen in den Vordergrund. Die Familien, die aus eigenen Mitteln keine Pfleger bezahlen können, bleiben ohne Hilfe, wenn das Rathaus ihnen nicht hilft. Die Pfleger müssen ihrerseits manchmal schwarz arbeiten und ihre Rechte werden folglich nicht eingehalten. Anişoara berichtet weiter:

 

„Ich bin nicht offiziell angemeldet, ich kann meine Sozialversicherungs- und Krankenversicherungsbeiträge nicht zahlen. Ich habe seit vielen Jahren keinen Arzt mehr besucht, auch wenn ich es tun sollte, denn ich leide unter hohem Blutdruck und habe auch weitere Probleme.“

 

 

Mehrere Details zu der rechtlichen Lage der Hausangestellten gibt uns die Vizevorsitzende des Humanitären Verbandes „Habilitas“. Dieser Verband schult Altenpfleger. Rodica Căciulă erklärt:

 

„Der Hauspfleger ist in Rumänien offiziell als Beruf anerkannt. Um Haus-Altenpfleger zu werden, muss man eine Qualifikation von 360 Stunden absolvieren: 240 Stunden Praxis und 120 Stunden Theorie. Es gibt aber viele nichtqualifizierte Personen, die nicht legal arbeiten. Wir wissen nicht, wieviele angestellt sind, es scheint aber, dass wenige legal angemeldet sind. Viele von ihnen befinden sich in einem grauen Bereich des Arbeitsmarktes.“

 

 

Eine Lösung für den Schutz der Rechte der Hausangestellten und der Empfänger ihrer Dienstleistungen wäre die Ratifizierung der Konvention 189, so der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss. Dieser hat vor kurzem die EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, diese Konvention zu ratifizieren. Dumitru Forna, Mitglied in dem genannten Ausschuss, über die Vorteile einer strengeren Regelung der Hauspflege:

 

„Diese Konvention ist sehr wichtig. Bis jetzt haben nur manche Staaten – Belgien, Irland, Portugal, Deutschland, Finnland und die Schweiz – diese ratifiziert und manche sind dabei, es zu tun. Das ist eine Voraussetzung, um eine ernsthafte Debatte über eine Regelung im Bereich und über die Wiederherstellung der Menschenwürde dieser Angestellten zu haben. Dieser Sektor scheint vernachlässigt zu sein. Wenn wir uns aber die Alterung der Bevölkerung und die Pflege-Notwendigkeiten anschauen, wird dieser immer wichtiger.“

 

 

Eine strengere Regelung und insbesondere die Befolgung des Gesetzes würden zudem auch die gepflegten Personen besser schützen. Rodica Căciulă dazu:

 

„Es ist wichtig, dass ein Pfleger von einem privaten Dienstleister oder von den lokalen Behörden angestellt wird, denn es kann auch Missbrauchsfälle geben, denen die alten Personen zum Opfer fallen. Ohne Dokumente können die Sozial- oder die Arbeitsinspektion nicht einschreiten, und wir wissen nicht, was zwischen einem Hausangestellten und einer alten Person zu Hause passiert. Es kann sein, dass der Pfleger oder die Pflegerin erschöpft ist, weil niemand ihn oder sie ersetzt, weil sie keinen Urlaub haben. Es gibt keine Regelung dieser Arbeit. Es ist wichtig, diese Konvention zu ratifizieren.“

 

 

Anişoara und auch andere Pfleger und Pflegerinnen sowie auch die Empfänger ihrer Dienstleistungen warten auf eine bessere Regulierung des Bereichs. Bis dahin versuchen sie, sich gegenseitig zu helfen.


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Publicat: 2017-01-11 18:54:00
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